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Sie haben keine Schwächen, keine nervigen Angewohnheiten,
keine schlechte Laune und bleiben Jahrzehnte lang so heiß
verliebt in uns, wie am ersten Tag. An diesem Ideal kann
jeder wirkliche Mensch nur scheitern. Was wir insgeheim
natürlich genau wissen, ohne deshalb von dem schönen Traum
zu lassen. Die meisten Menschen wählen hier den. Sie nehmen
den Traumpartner als eine Art Hinweisschild zur Orientierung
und akzeptieren gern, dass ihr wirklicher Partner zwar in
vielen, aber längst nicht in allen Eigenschaften damit
übereinstimmt. Und das ist richtig so. Problematisch wird
die Sache erst, wenn Menschen den allein selig machenden
Partner suchen, der dem Ideal absolut hundertprozentig
entspricht. Denn zwischen phantasierter und realer Liebe
gibt es keine Brücke, wie es in Peter Härtlings Novelle
Bolena treffend heißt. Wer einem anderen also die eigene
Ideal Schablone aufdrückt, kann dessen Wirklichkeit nicht
mehr wahrnehmen. Er degradiert ihn zum Spiegel der eigenen
Sehnsüchte und Wunschvorstellungen. Und das verdienen kein
Mann und keine Frau. Außerdem ist die große Enttäuschung
hier unvermeidbar: Kein Mensch schafft es, auf Dauer einem
Ideal zu entsprechen, schon gar nicht dem eines anderen. Und
so muss der schöne Schein des Traumpartners mit der Zeit
zwangsläufig verblassen und abblättern, um den wahren
Menschen zum Vorschein zu bringen. |